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Werte: 18,00 DKK. Nummern: FO 869. Grösse: 40,0 x 30,0 mm. Künstler: Anker Eli Petersen. Grösse, Block: 60 x 80 mm Drucktechnik: Offset. Druckerei: Cartor Security Printing, Frankreich. Gebührensatz: Grossbriefe auf den Färöern, 51-100 g

500 Jahre Reformation - Block postfr.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.

Ausgabedatum: 02.10.2017
Artikelnr.: PPS021017
Wert: 18,00


500 Jahre Reformation

Martin Luthers 95 Thesen
Dem gutem Martin Luther war sicher nicht bewusst, in welches Wespennest er stach, als er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Ganz zu schweigen, zu welchem Aufstand dies führen oder welche grundlegenden Konsequenzen dies später nach sich ziehen würde.

Bis zu diesem Tag hatte auch nicht vieles darauf hingedeutet, dass der Mönch, Pfarrer und Theologieprofessor aus Wittenberg einmal einen Platz unter den markantesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte einnehmen würde. Der begabte Bergarbeitersohn, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, hatte eine gute Ausbildung erhalten und hätte nach Abschluss seines Philosophikums an der Universität Erfurt auf Wunsch seines Vaters Jura studieren sollen. Doch nach einem einschneidenden Erlebnis während eines Gewitters hatte er gelobt, in ein Kloster einzutreten und Mönch zu werden. Im Alter von 33 Jahren begann sein Leben nun plötzlich eine ganz und gar unerwartete und dramatische Wendung zu nehmen.

Das Ablassproblem
Als ein Element in der Vorstellung der katholischen Kirche von einer Bestrafung nach dem Tode für zu Lebzeiten begangene Sünden war im Mittelalter ein Begriff entstanden, der im Volksmund Ablass genannt wurde. Wenn der Tod eintraf, gab es für das Leben nach dem Tod zwei Möglichkeiten: Die Bösen würden die Ewigkeit in der Hölle verbringen, während diejenigen, die ein schickliches Leben geführt hatten, in den Himmel kamen. Nun gab es jedoch das Problem, dass kein Mensch sich ganz von Sünden freisprechen konnte. Um dennoch in das Himmelreich zu gelangen, musste man diese Sünden einem Pfarrer beichten und die auferlegte Buße tun. Nach dem Tod musste man darüber hinaus zur Läuterung eine gewisse Zeit im Fegefeuer verbringen. Die Dauer des Aufenthalts im Fegefeuer hing vom Umfang und von der Schwere der begangenen Sünden ab.

Das Konzept des Ablasses bot den Sündern hinsichtlich der Buße ein Hintertürchen und einen Weg, den zweifellos unangenehmen, aber unweigerlichen Aufenthalt im reinigenden Fegefeuer zu verkürzen. Durch die Gabe von Almosen an die Kirche überließ man seine Buße nämlich der Kirche. Man zahlte dafür, dass andere, in diesem Fall die Geistlichen, ein Leben in Bekenntnis, Gebet und Reue führen konnten.

Sobald das Geld im Kasten klingt...
Kurz zuvor hatte der Erzbischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, von Papst Leo X. die Erlaubnis erhalten, in seinem Bistum Ablassbriefe zu verkaufen, unter der Bedingung, dass der Papst die Hälfte der Einnahmen erhielt, um den Bau eines neuen Petersdoms zu finanzieren. Angesichts der aggressiven Verkaufsmethoden, die die Ablasshändler gegenüber der einfachen Bevölkerung an den Tag legten, machte sich unterdessen Unzufriedenheit breit. Der bekannteste unter den Ablasshändlern war der Dominikanermönch Johann Tetzel, der einen Hang zum Theatralischen hatte. Mit seinem Gefolge marschierte er im Zeichen des Kreuzes in die Dörfer ein, hielt eine Donnerpredigt über die Qualen des Fegefeuers und bot seinen Zuhörern anschließend an, für sie selbst – und sogar für ihre verstorbenen Verwandten – Ablassbriefe zu kaufen. Denn wie Tetzel sagte: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt!“

Thesen an der Kirchentür
Als Martin Luther 1517 von den oberflächlichen Verkaufsmethoden Tetzels hörte, war dies für ihn ein Thema, über das diskutiert werden sollte. Er schrieb 95 Thesen über den Ablasshandel nieder und übersandte diese dem Erzbischof und einigen anderen Personen. Außerdem wurden die Thesen als Grundlage für eine akademische Diskussion über das Ablasswesen an der Schlosskirche zu Wittenberg anschlagen.

Offenbar in Unwissenheit über die Rolle des Erzbischofs und des Heiligen Stuhls im Ablasshandel trat Luther damit unabsichtlich einigen Mächtigen empfindlich auf die Zehen. Dabei waren die Thesen keineswegs maßgeblich oder revolutionär. Luther stand dem eigentlichen Ablassgedanken nämlich gar nicht ablehnend gegenüber. Es ging ihm eher um die Behauptungen der Händler, man könne sich Gottes Wohlwollen durch die Ablassbriefe des Papstes erkaufen und durch sie die Bedingungen der Toten im Fegefeuer verbessern. Diese Meinung teilte Luther ganz und gar nicht.

Der Anschlag an der Kirchentür war in lateinischer Sprache abgefasst und somit wohl nur als Inspiration und Diskussionsgrundlage für die Gelehrten gedacht. Doch es dauerte nicht lange, bis jemand die 95 Thesen ins Deutsche übersetzte, und da Gutenberg um 1440 die moderne Druckpresse erfunden hatte, war es ein Leichtes, den Text in großer Auflage zu drucken. Bald waren die 95 Thesen im größten Teil Deutschlands bekannt, wo sie zu Luthers Überraschung große Aufmerksamkeit erregten. Er sendete einen Entschuldigungsbrief an den Erzbischof von Mainz, in dem er einräumte, in gewissen Passsagen zu weit gegangen zu sein. Der Erzbischof leitete den Brief an den Papst weiter, und somit nahmen die kirchlichen Reaktionen gegen Luther ihren Lauf.

Die Schlinge zieht sich zu
Nun wurde von verschiedenen Seiten Druck auf Luther ausgeübt, indirekt über seinen Orden und direkt durch Gespräche zwischen ihm und Kardinälen. Luther selbst war aufrichtig überrascht von der Reaktion der Kirche und sah sich veranlasst, sich zur Wehr zu setzen. Im Oktober 1518 wurde er von Kardinal Cajetan in Augsburg verhört, weigerte sich jedoch einzulenken. Denn im Laufe des einen Jahres hatte Luther sich die Unterstützung vieler Fürsten und der einfachen Bevölkerung sichern können. Die Kirche begann, den widerspenstigen Mönch langsam als Problem zu betrachten.

Leipziger Disputation
Am 8. November 1518 erließ der Papst die Bulle „Cum postquam“, die von der katholischen Ablasslehre handelte. Der Papst räumte gewisse Missstände im Ablasshandel ein, wies jedoch Luthers prinzipielle Standpunkte zurück. Die Debatte war dabei, aus dem Ruder zu laufen, und beide Seiten hatten begonnen, sich vom eigentlichen Kern der Sache, den 95 Thesen, zu entfernen.

Bei einem Streitgespräch in Leipzig 1519 zwischen Vertretern der Universitäten von Wittenberg und Leipzig richtete der Theologe Johannes Eck einen scharfen Angriff gegen Luther mit der Behauptung, dieser würde die Macht des Papstes, die Unfehlbarkeit der Kirchenkonzilien und die kirchlichen Sakramente anzweifeln. Luther antwortete seinerseits, die Macht des Papstes sei in der Bibel nicht begründet und die Konzilien seien nicht frei von Fehlern. Eck setzte Luther unter Druck, indem er ihn mit Jan Hus verglich, der ein Jahrhundert zuvor auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war, weil er den Papst als fehlbar bezeichnet und andere Aussagen gemacht hatte, die denen Luthers glichen. Dies veranlasste Luther zu seinen berühmten Worten: „Ja, ich bin ein Hussite!“ Und damit war sein Schicksal besiegelt.

Die Leipziger Disputation verschärfte Martin Luthers Haltung gegenüber dem Papst. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Luther seine Standpunkte nicht als etwas angesehen, das die Autorität der Kirche und des Papstes untergrub. Doch nach dem Streitgespräch begann Luther den Papst mit dem Antichrist zu vergleichen.

Exsurge Domine
Im Juni 1520 verabschiedete Papst Leo X. die Bulle „Exsurge Domine“. Johannes Eck wurde beauftragt, die Bulle in Deutschland zu proklamieren. Darin wurden 41 Lehrsätze aus Luthers Schriften verdammt und dieser aufgefordert, sie innerhalb von 60 Tagen zurückzuziehen, wenn er der Exkommunikation entgehen wolle. Das war keine leichte Aufgabe für Eck. Er sah sich vielerorts heftigen Missfallensäußerungen ausgesetzt und konnte manchmal nicht einmal die Bulle verlesen. Luthers Popularität in Deutschland war groß, sowohl in der einfachen Bevölkerung als auch unter den herrschenden Fürsten. Luthers Reaktion auf die Bulle war, diese in Wittenberg zusammen mit anderen Schriften seiner Widersacher und kirchlichen Rechtsbüchern öffentlich zu verbrennen.

Reichstag zu Worms
Der Bruch mit der Kirche war nun Realität. Am 3. Januar 1521 wurde Martin Luther vom Papst mit dem Kirchenbann belegt. Die Kirche konnte den widerspenstigen Rebellen nicht selbst vor Gericht stellen, weshalb es dem jungen Kaiser Karl V. oblag, eine Reichsklage gegen ihn zu erheben.

Luthers mächtigster Unterstützer, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, konnte den Kaiser davon überzeugen, Luther vor Verhängung einer Reichsacht eine Anhörung vor dem Reichstag sowie freies Geleit für die Reise nach Worms zu gewähren.

Am 18. April 1521 fand sich Luther vor dem Reichstag zu Worms ein. Als Stellvertreter des Kaisers präsentierte sein alter Widersacher Johann Eck Luther seine eigenen Schriften, die auf einem Tisch im Saal ausgelegt waren. Eck fragte ihn, ob dies seine Schriften seien und ob er die Verantwortung für deren Inhalt übernehme. Luther bestätigte, dass es seine Schriften waren, bat sich jedoch Bedenkzeit aus, um die zweite Frage zu beantworten. Am Tag danach lautete die Antwort, er übernehme die Verantwortung. Luther schloss mit den Worten: „Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

In den folgenden fünf Tagen zog sich der Reichstag zu Beratungen zurück, um über Luthers Schicksal zu entscheiden. Am 25. Mai präsentierte der Kaiser das Urteil, in dem die Reichsacht über Luther verhängt wurde. Seine Schriften sollten verboten und er selbst festgenommen werden. Gemäß dem Wormser Edikt war es auch ein Verbrechen, Luther Hilfe zu leisten, ihn zu verköstigen oder zu beherbergen.

Wartburg
Da der Kaiser Martin Luther freies Geleit für die An- und Abreise nach Worms gewährt hatte, konnte man ihn nicht sofort festsetzen. Luther machte sich auf nach Wittenberg, wurde auf dem Weg dorthin aber von Friedrich von Sachsens Männern entführt und auf die Wartburg in Eisenach gebracht. Unter dem Decknamen Junker Jörg versteckte er sich bis März 1522 auf der Burg. Dort begann er mit der Übersetzung des Neuen Testaments in Deutsche. Diese Übersetzung wurde zu einem Meilenstein in der deutschen Sprachgeschichte und die Grundlage für das Hochdeutsche. Die Übertragung des Alten Testaments dauerte etwas länger, doch 1534 lag die erste Bibel in deutscher Sprache vor.

Wie gesagt verließ Martin Luther sein Versteck erst im März 1522 wieder. Der Grund hierfür waren die chaotischen Zustände, die im Anschluss an die durch ihn verursachten Umwälzungen ausgebrochen waren. Dadurch sah er sich gezwungen, nach Wittenberg zurückzukehren, um dort wieder für Ruhe zu sorgen.

Im Laufe der 1520er Jahre entwickelte Martin Luther die grundlegenden Prinzipien für eine reformierte Kirche, den Katechismus, die Ethik, den Kirchenbegriff usw. Die protestantische Volkskirche wurde von ihm in kurzen Schriften skizziert, die auch für die einfache Bevölkerung leicht zu verstehen waren.

Es zeigte sich, dass die reformierte christliche Freiheit auch anders interpretiert werden konnte, als Luther sich vorgestellt hatte, und so spalteten sich Gruppen ab, die Luthers Prinzipien in andere Richtungen weiterentwickelten. Dies hatte mit Thomas Müntzer und seinem Bauernaufstand 1524 - 1526 auch gewalttätige Auswirkungen. Martin Luther verwahrte sich heftig gegen die Absicht, seine Reformation für einen Umsturz der Gesellschaft zu missbrauchen.

Die Reformation verbreitete sich vor allem in Nordeuropa, worüber aber ein anderes Mal berichtet werden soll. Die Geschichte des Mönchs, der eine Diskussion anregen wollte, aus der schließlich eine Reformation wurde, ist inzwischen 500 Jahre alt. Und da ein Ende nicht absehbar ist, wollen wir heute hier schließen.

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