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Der Augenblick in einem kaleidoskopischen Blitzen im dritten Auge des Künstlers.
Ausgabedatum: 23.09.2013
Artikelnr.: PPA010913
Wert: 57,00
Olivur við Neyst. Ausgabetag: 23.09.2013. werte: 19,00 und 38,00 kr. Nummer: FO 772-773
Briefmarkenformat: 28,8 x 36,8 mm. Künstler: Olivur við Neyst. Drucktechnik: Offset
Druckerei: LM Group, Kanada. Gebührensatz: Mediumbriefe auf den Färöern und Grossbriefe nach Europa 101-250 gr
Kunst nach olivur við Neyst
Der Augenblick in einem kaleidoskopischen Blitzen im dritten Auge des Künstlers. Der magische Puls der Sonne, ständig wechselnd, immer in Bewegung – ein ewiger Kreislauf von Momenten, die niemals wiederkehren. Das magische Universum der Seevögel, in dem die Gedanken wie schamanische Hilfsgeister ins Unbekannte fliegen – auf Flügeln, auf dem Wasser oder im staunenden Lauschen des Kindes auf die Worte des Erwachsenen.
Ist der Flug der Gedanken schwarz oder weiß? Was machen die Männer in dem kleinen Boot eigentlich? Ist es ein kurzer Angelausflug im Sonnenuntergang oder sind sie mythische Kulturheroen im Morgengrauen, auf dem Weg in gewaltige Abenteuer?
Und was erzählt der Erwachsene dem Kind eigentlich? Die Namen der Männer im Boot? Die Geschichte des Bootes? Oder ist das Boot in Wirklichkeit nur eine Manifestation der Erzählung des Erwachsenen?
Tja, wer weiß? Es ist das Privileg des Künstlers, Sinneseindrücke mit der Stimmung des Augenblicks zu mischen und uns anderen die Interpretation zu überlassen. Ein beinahe mythisches Abbild der Wirklichkeit zu liefern, das uns genau zu diesem Augenblick zurückkehren lässt, in dem wir nicht anwesend waren und den wir doch schwach wiedererkennen. Ein Spiel mit den Sinnen, das niemals eine definitive Antwort gibt. Ein Bild, das verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeiten verschiedene Geschichten erzählt.
Und ohne Weiteres ändert sich die Szene. Vom goldenen Moment zwischen allem und nichts zu den lärmenden Formen des Westhafens. Der Geruch von Tang und Diesel, riesige Metallrümpfe, die gegen die Gummireifen an der Kaikante scheuern. Eine wohlbekannte Szene für uns, die wir in diesem klondykeähnlichen Milieu aufwuchsen.
Und dennoch. Haben wir jemals Reflexionen ferner Fischgründe in den offenen Hecks der Trawler gesehen? Die rostroten Formen in dem großen changierenden Blau? Das Wasser des Westhafens, das als Spiegelbild der vielfältigen Aktivitäten des Menschen und seiner eigenartigen Schöpfungen fungiert?
Wohl kaum. Was unsere Augen sehen, sind Sinneseindrücke, die uns durch den analytischen Blick des Künstlers vermittelt werden. Wir sehen in die Richtung, die er vorgesehen hat, und nur wenige beherrschen diese Kunst besser als der Maler Olivur við Neyst. Sein Sinn für das Unmittelbare ist phänomenal, und seine Fähigkeiten, die vielfachen Facetten in asymmetrischen Pinselstrichen und Farben wiederzugeben, erhöhen das Alltägliche zu einem nahezu mythologisierten Universum. Hausgiebel, Schiffsteile, die Betriebsamkeit der Häfen und die Bewegungen der Menschen schenken einem fragmentierten Ganzen Leben – und muten zuweilen beinahe kubistisch an.
Olivur við Neyst wurde 1953 in Klaksvík geboren. Bereits in ganz jungen Jahren begann er zu malen und auszustellen. Von Anfang an war klar, dass es sich hier um ein kommendes Talent handelte. 1975 wurde er an der Kopenhagener Kunstakademie aufgenommen, wo er von Künstlern wie Richard Winther und Wilhelm Freddie unterrichtet wurde. Von 1979 bis 1981 besuchte er auch den kunstpädagogischen Zweig bei Helge Bertram.
In den achtziger Jahren kehrte Olivur við Neyst auf die Färöer zurück und ließ sich mit anderen aufstrebenden jüngeren Künstlern wie Torbjørn Olsen und Amariel Norðoy in Tórshavn nieder. Diese Generation verschob die Grenzen in der färöischen Malerei vom zuweilen Düsteren und Schweren zum Farbenfrohen und Facettenreichen.
Die Motivwelt von Olivur við Neyst sind vor allem Stadtlandschaften. Aber auch das Treiben der Menschen und die wechselnden Landschaften sind bei ihm zu finden. Neben der Malerei in Öl beschäftigt sich Olivur við Neyst mit der Aquarellmalerei und zeichnet für eine große Auswahl an Buchillustrationen aus dem färöischen Universum verantwortlich.
Die diesjährigen Kunstbriefmarken sind zwei Beispiele für die Bilderwelt von Olivur við Neyst: „Sólskin“ (Sonnenschein) von 1987 und „Vestaravág“ (Westhafen) von 1989.
Anker Eli Petersen