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Überall auf der Welt ist die Herbeischaffung und Zubereitung von Nahrungsmitteln mit unzähligen Varianten, die sich aus den vorhandenen Gegebenheiten ergaben, immer ein bedeutender Teil der Volkskultur gewesen.
Ausgabedatum: 18.04.2005
Artikelnr.: PPA992021
Wert: 17,50
Überall auf der
Welt ist die Herbeischaffung und Zubereitung von Nahrungsmitteln mit unzähligen
Varianten, die sich aus den vorhandenen Gegebenheiten ergaben, immer ein
bedeutender Teil der Volkskultur gewesen.
Das Klima ist
entscheidend dafür gewesen, welche Art von Nahrung man beschaffen konnte. Es
ist selbstverständlich immer ein Unterschied, ob man in tropischen Ländern lebt
oder in den Polargebieten überleben muss.
Die ursprüngliche
Nahrung auf den Färöern stammte überwiegend vom Tierbestand der Inseln,
hauptsächlich von den Schafen in der Trift, den Vögeln in den Vogelfelsen und
den Fischen im Meer. Das Klima eignet sich nicht gut für den Anbau von
Getreide, Gemüse u. Ä. und folglich hat dieser keine große Bedeutung gehabt.
Die Kartoffeln
wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts fester Bestandteil der täglichen Kost,
obwohl die Leute sie lange vorher
kannten. Stattdessen kochte man färöische Kohlrüben (Brassica)
beispielsweise zum Mittagessen.
Die Jahreszeiten
hinterließen ihre Prägung auf den Ernährungsgewohnheiten. Man konnte mehr oder
weniger das ganze Jahr Fisch bekommen, jedoch meistens im Frühjahr, wo der
Fisch zusätzlich zur Leber auch Rogen lieferte. Gleichzeitig mit der
Frühjahrsfischerei (März – April) ergaben sich auch die Möglichkeiten für
andere frische Nahrung. Die Kühe kalbten normalerweise im Frühjahr, und damit
hatte man meistens Milch im Sommer. Vogelfang und Eiersammeln (Nestplünderung
in den Vogelfelsen) gehörten auch manchmal dazu, und die Möglichkeit für den
Fang von Grindwalen ist statistisch gesehen am größten im August, im selben
Monat, in dem man auf die Kartoffelfelder gehen und neue Kartoffeln ernten
kann. Im Herbst gingen die Männer in die Berge hinauf und holten die Schafe zum
Schlachten herunter. Ein geschlachtetes Schaf wurde fast zu 100% verwertet.
Außer dem Fleisch brauchte man Kopf, Füße, Leber, Lunge, Herz und Pansen sowie
das Blut (mit einem gemeinsam Begriff Eingeweide “avroð“ genannt).
Von alters her
waren die einzigen Verfahren für die Aufbewahrung von Nahrungsmitteln das
Salzen oder das Trocknen (Zubereitung durch Trocknen). Salz war lange eine
Mangelware, und deshalb war das Trocknen die gewöhnlichste Methode für die
Haltbarmachung von Nahrungsmitteln. Es gab zwei Pökelmethoden: die
Konservierung in Salzlake und das Trockenpökeln. Für beide Methoden benutzte
man Fässer.
Sowohl Fleisch,
Grindwal, Vögel und Fische wurden getrocknet. Die aufgeschnittenen Schafskörper
wurden zum Lufttrocknen in einem Stück aufgehängt. Bevor die Vögel aufgehängt
wurden, wurden sie entlang dem Rücken zerteilt und paarweise zusammengebunden.
Auch Fische wurden paarweise zum Trocknen aufgehängt, und das Walfleisch wurde
in Streifen geschlungen aufgehängt.
Das Herbstwetter
hatte entscheidenden Einfluss darauf, ob die zum Trocknen aufgehängte Esswaren
den richtigen Geschmack bekamen. Der eigentliche Trocknungsprozess lässt sich
in drei Schritte unterteilen: visnað (“angetrocknet”), ræst
(halbtrocken/gelagert) und getrocknet. Hier spricht man sowohl von Geschmack,
Aussehen und Geruch. Was wir “angetrocknet” nennen, erhält man im Laufe von
wenigen Tagen, viel schneller mit Fisch als mit Walfleisch. Im allgemeinen
benutzt man den Begriff ´visnað´ (angetrocknet) nicht für Fleisch.
Die Veränderungen
zum Zustand"ræst" erfolgen langsam, kommt jedoch plötzlich
Kälte in die Luft, kann dies dazu führen, dass die zum Trocknen aufgehängten Teile diesen Schritt
(den “ræste” Schritt) überspringen, und deshalb nicht der richtige “ræste”
Geschmack erzielt wird. Wird es auf der anderen Seite zu warm, kann das
Getrocknete dagegen zu “ræst” werden und aus dem Grund einen ranzigen
oder strengen Geschmack erhalten. In der Regel ist das Fleisch trocken zu
Weihnachten.
Schafsfleisch,
Fische, Vögel sowie Walfleisch werden in allen diesen drei Stadien des Prozesses
gegessen (und selbstverständlich auch in frischem Zustand). Angetrocknetes und
Halbtrockenes muss gekocht werden. Das Getrocknete wird gegessen, wie es ist.
Damit das Essen so gut wie möglich schmeckt, muss man es natürlich auf die
richtige Weise behandeln. Speziell muss man dafür sorgen, die Fliegen
wegzuhalten, insbesondere bei mildem Wetter im Herbst, da man sonst riskiert,
dass Maden die Speisen verderben.
Es ist
unterschiedlich von Land zu Land, wann man seine Mahlzeiten einnimmt. Auf den
Färöern hatte man in alten Tagen drei Hauptmahlzeiten: Morgunmatur
(Lunch) ca. um 9 – 10 Uhr, dögurði (Mittagessen) ca. um 14 – 15 Uhr und nátturði
(Abendessen) um 21 Uhr oder später. Dazu kommen in der Regel zwei kleinere
Mahlzeiten: ábit (Frühstück), das man zu sich nahm, wenn man früh
morgens aufstand und millummáli (Zwischenmahlzeit), die man zwischen dem
Mittag- und Abendessen aß.
Zum Lunch wurde
früher drýlur (ein rundes, ungesäuertes Brot, ursprünglich gebacken in
der Feuerstelle) gereicht, später wurde Roggenbrot, gebacken aus Roggen- und
Weizenmehl mehr gewöhnlich. Zusammen mit dem ungesäuerten Brot aß man Zubehör,
heute abgelöst von Aufschnitt, d.h. man schnitt ein Stück vom (oft)
Schafsfleisch zum Brot.
Das Mittagessen
bestand in der Regel aus gekochtem Fisch, Walfleisch und Speck oder Vögeln.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden es üblich,
Kartoffeln zum Mittag zu essen. An Sonntagen und Feiertagen bekamen die
Leute, welche die Möglichkeit dafür hatten (d.h. die Bauern), “ræst”, also
halbtrockenes Fleisch und súpan - Suppe, speziell Fleischsuppe (nicht
von Frischfleisch gekocht, sondern mit Zusatz von Mehl oder Grieß u.Ä.).
Zubereiteter Fisch wurde auch als gutes Sonntagsessen angesehen.
Früher bestand
das Abendessen fast immer aus Schleimsuppe, im Sommer aus Milchprodukten
verschiedener Art und im Winter aus Suppe. Wenn die Kuh gekalbt hatte, erhielt
man „kalvedans“, einen Rohmilchpudding. “Drýlur” und Brot bekam man nicht zum
Abendessen, sondern man aß normalerweise luftgetrockneten Fisch vor der Suppe. Im
Alltag trank man Wasser, Milch, Milchwasser (Milch gemischt mit Wasser), Tee
oder Kaffee.
Keiner durfte die
Arbeit des Tages mit leeren Magen beginnen. Als "ábit" (Frühstück) nahm man deshalb eine Scheibe
"drýl" und etwas Milch, etwas Suppe oder Reste des vorherigen
Abendessens zu sich.
Als
Zwischenmahlzeit bekam man etwas Milch, Tee oder Kaffee zusammen mit einer
Scheibe Brot (oder Schnitte) oder ab und zu Pfannkuchen. Mit der Zeit haben
sich Weißbrot oder Kuchen mehr und mehr durchgesetzt.
In der Regel
wurde das Essen gekocht. Jeder Haushalt besaß mindestens zwei Töpfe. Einen für
traniges oder fettiges Essen wie Speck, Leber usw. und einen für alle anderen
Gerichte. Es gab drei Typen Essenströge: Fleischtröge, Fischtröge und die
sogenannten Snytrog, Fett-Tröge, (für die fettigen oder tranigen
Speisen). Neben den Töpfen hatte man auch im Hauswirtschaftsraum, d.h. dem
kombinierten Küchen, Arbeits- und Aufenthaltsraum sowie Schlafzimmer, große
Schöpflöffel oder Kochlöffel (sleiv), Schaumkellen (soðspón) und
sonstige “Stöcke” zum Umrühren von Brei
(greytarsneis) und zum Schlagen von Milch oder Sahne – Schneebesen (tyril).
Die Zeiten haben
sich geändert, so dass unser Essen heute zum großen Teil aus Nahrungsmitteln
besteht, die wir in den Einkaufszentren kaufen - und das meiste ist
ausländischen Ursprungs. Die Färinger haben eine internationale Esskultur
angenommen, und Gemüse, Obst und Gewürze sind im Alltag ganz gewöhnlich. Die
alten, färöischen Gerichte werden jedoch weiterhin aus Herzens Lust gegessen
und als eine veritable Delikatesse betrachtet.