Weichtiere - FO 409-12
Mollusker
ist die nordische Bezeichnung des lateinischen Begriffs für den Tierstamm
Mollusca - eine Gruppe von Weichtieren, bestehend aus Schnecken, Muscheln,
Kahnfüßer, Käferschnecken und Tintenfischen. Gemeinsam für sie gilt, dass sie
einen weichen Körper besitzen, der durch eine äußere Kalkschale geschützt wird,
die sie selbst bilden. Bei den Käferschnecken besteht das Gehäuse aus einem
Gürtel von acht Platten, die versetzt über dem Rücken angeordnet sind. Die
meisten Kahnfüßer besitzen eine röhrenförmige Schale, die an den Stoßzahn der
Elefanten erinnert. Die Tintenfische haben überwiegend eine kleine Schale, die
im Körper auf der Rückseite des Tieres versteckt ist. Muscheln schützen sich
durch zwei Schalen, die mit Schlosszähnen und einem Schloßband, dem Ligament,
gehalten werden. Die verschiedenen Klassen der Schnecken tragen Gehäuse in
unterschiedlichen Formen – kuppelförmig, kegelförmig, röhrenförmig oder
spiralig. Bei einigen der sogenannten Hinterkiemerschnecken hat sich das
Schneckenhaus zurückgebildet oder ist ganz verschwunden. Zahlreiche dieser
Nacktschnecken weisen fantastische Formen und Farben auf.
Die Mollusken leben sowohl in Salz- und Süßwasser als auf Land. Es gibt mehr
als 100 000 Arten, die in allen Meeren und unter allen Himmelsstrichen heimisch
sind. Einige Schnecken sind mit auch für Menschen tödlichem Gift ausgerüstet,
einige sind Wirte für Parasiten, u.a. für Leberegel und Bilharziose. Die
meisten Arten stellen für Menschen jedoch keine Gefahr dar.
Die ersten wissenschaftlichen Berichte über die Molluskenfauna im Meer um die
Färöer wurden im Jahre 1785 von Chemnitz veröffentlicht. Er beschreibt u.a. die
Muschel Gari fervensis. 1868 publizierte O.A. Mørch seine ”Faunula
Molluscorum Færöensium” mit der Aufzählung von 99 Molluskenarten. Die
umfassenden Untersuchungen der dänischen Forscher in den Jahre 1926 und 1927
vermehrte das Wissen über die färöische Molluskfauna erheblich. In ”The Zoology
of the Faroes”, die in den Jahren 1928-1951 herausgegeben wurde, werden 237
Arten Mollusken erwähnt, davon 20 Tintenfischarten. Im Rahmen des
BIOFAR–Projekts, das zwischen 1987 und 1990 durchgeführt wurde, wurden
hauptsächlich Einsammlungen in tieferen Gewässern vorgenommen, von einer Tiefe
von 100 m bis zu ca.1000 m. Im Laufe der Einsammlungen wurden 400
Weichtierarten näher bestimmt – eine Erhöhung um mehr als 50 % der vorher
bekannten Anzahl. Die Arten, die für diese Briefmarkenserie als Vorlagen
dienten, wurde alle im Rahmen des BIOFAR-Projektes gefunden.
Polycera faeroensis (Lemche, 1929)
Polycera faeroensis ist eine nackte Hinterkiemerschnecke der Gruppe
Nudibranchia. In dieser Gruppe finden wir die buntesten in der marinen Umwelt.
Ein Exemplar der Polycera faeroensis wurde das erste Mal im Juni 1899 in
den tiefen Rinnen zwischen Nólsoy und Eysturoy auf den Färöern gefunden. Der
dänische Experte für Hinterkiemer, Henning Lemche, beschrieb die Art in ”The
Zoology of the Faroes” von 1929. Das Exemplar befand sich in relativ schlechter
Verfassung, aber durch die Form und die Größe der Raspelzunge zeichnete es sich
doch als neue Art aus. Spätere Funde haben belegt, dass die Art größer ist als
andere nahe Verwandte, und zwar bis zu 45 mm lang gegenüber 20-25 mm der
anderen Arten. In der Regel hat die Art mehr als acht Tentakel am Kopf, im
Vergleich zu vier bis sechs bei der nah verwandten Art P. quadrilineata.
Buccinum undatum (Linnaeus, 1758)
Die Wellhornschnecke, Buccinum undatum, ist in der Nordsee, dem
Nord-Atlantik und in der Arktis weit verbreitet. Ihr Gehäuse kann bis zu 12 cm
hoch werden. Die Art ist genauso häufig am Meeresboden wie in tiefen Gewässern,
auf Hart- sowie auf Weichböden anzutreffen. Die Art ist um die Färöer sehr
gewöhnlich. Da ihre Lebensform variiert und sich die Formen der Schale der
Umgebung entsprechend anpassen, wurde die Art auch in einer Reihe Varianten
sowie auch als verschiedene Arten beschrieben. In tiefen Gewässern, wo Mangel
an Kalk für die Entwicklung der Schale besteht, kann die Schale z.B. eine fast
glatte Form aufweisen im Gegensatz zu dem Wellenmuster, das auf der Briefmarke
abgebildet ist.
Die Wellhornschnecken sind Fleischfresser und greifen Fische an, die im Netz
gefangen sind. Aber sie sind auch keine Aasverächter. Auf den Färöern wird auf Buccinum
gefischt, um sie als Köder zu benutzen. Sie wird jedoch auch anderswo als
Menschennahrung geschätzt.
Modiolus modiolus (Linnaeus, 1758)
Die große Miesmuschel, Modiolus modiolus, ist eine der größten Muscheln
in unseren Gewässern. Die Schale kann bis zu 20 cm lang werden – viel größer
als die der nah verwandten Blaumuschel. Die große Miesmuschel wird als eine
Delikatesse betrachtet, obwohl sie etwas zäher ist als die Blaumuschel. Auf der
anderen Seite lebt diese Art in tieferen Gewässern als die Blaumuschel, und
zwar von 2-3 bis zu 100 m tief. Die großen Miesmuscheln tragen deshalb keine
giftigen Algen in sich, wie vielleicht die Blaumuschel. Die Große Miesmuschel
wird im Norden auch als Pferdemuschel bezeichnet. Früher hatten die Kinder, die
an der Küste lebten kein so großes Angebot an Spielzeug wie heute zur
Verfügung. Verschiedene Arten Muscheln und Schnecken wurden damals oft mit
Kosenamen bedacht, wie Kuh, Schaf, Hund - und die große Miesmuschel erhielt
natürlich den Namen Pferd.
Die große Miesmuschel wächst langsamer als die Blaumuschel und kann ziemlich
alt werden, Wir haben Zeugnis von Muscheln, die 36 Jahre alt sind. Diese
Muscheln sind oft mit Röhrenwürmern, Seepocken und Korallen wie Toten Mannshand
bewachsen. Wie die Wellhornschnecke ist die große Miesmuschel seit Hunderten
von Jahren ein beliebter Köder. Auf den Färöern ist die große Miesmuschel
häufig um die Inselgruppe anzutreffen und wird als Köder und als Leckerbissen
für Menschen verwendet.
Sepiola atlantica (d’Orbigny, 1839)
Zehnarmige Tintentische besitzen acht kurze Greifarme und zwei besonders lange
Fangarme, die Tentakel. Um die Färöer sind fünf kleine 5-10 cm lange, 10-armige
Tintenfischarten heimisch. Dazu gehört die Sepiola atlantica. Vor dem
Projekt BIOFAR wusste man nur von 2 Funden, einen aus dem Jahr 1863 und ein
weibliches Tier, das 1927 in Husagrynna gefunden wurde. Die Körperfarbe
wechseln in rosa Tönen, wogegen die Augen grün sind. Die Tintenfische haben
sogenannte Chromatophoren, Pigmentzellen, in der Haut, so dass sie ihre Farbe
je nach Umgebung und Stimmung wechseln können. Die S. atlantica besitzt
verhältnismäßig große Chromatophoren und kann die Körperfarbe schnell von
hellrosa bis zu einem dunklem braunrot wechseln.
Die Sepiola atlantica lebt eingegraben in Bodensedimenten, aber die
Augen schauen heraus. So kann sie ihre Beutetiere, hauptsächlich kleine Krebse
aber auch kleine Fische, sehen, die in den Angriffsabstand kommen.